Passo di Gavia, ITA

Anstieg
1401 hm
Distanz Anstieg
26  km
max. Steigung
12 %
ø Steigung
5.4 %

Der Passo di Gavia ist ab Bormio ein HC-Climb über 26 km und 1.401 Höhenmeter mit durchschnittlich 5,4 % Steigung, in der Spitze 12 %. Nach dem flachen Abschnitt bis Santa Caterina Valfurva zieht die Steigung an und die Straße führt über die Baumgrenze hinauf auf 2.618 m. 1988 ging die Giro-Etappe im Schneesturm über den Gavia in die Radsportgeschichte ein.

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Bucket-List Print: Passo di Gavia

Der Passo di Gavia liegt im Nationalpark Stilfserjoch und verbindet Bórmio im Norden mit Ponte di Legno im Süden. Über 43 Kilometer Passstraße, zehn Kehren auf der Nordrampe, fünfzehn auf der Südrampe. Oben, auf 2618 Metern, liegt einer der höchsten asphaltierten Alpenpässe überhaupt, eingerahmt von Gletschern. Der Giro d’Italia bindet ihn gelegentlich in seine härtesten Bergetappen ein, und dann ist der Gavia oft die Cima Coppi, der höchste Punkt des ganzen Rennens.

Passo di Gavia im Überblick

Den Gavia fährt man von zwei Seiten, und es sind zwei verschiedene Anstiege. Die Nordrampe ab Bórmio misst rund 26 Kilometer und sammelt etwa 1401 Höhenmeter, im Schnitt 5,4 Prozent. Das klingt zahm, ist aber unehrlich gerechnet: Der Talboden zu Beginn drückt den Schnitt, oben wird es deutlich steiler. Die Südrampe ab Ponte di Legno ist kürzer und brutaler, gut 17 Kilometer mit einem Schnitt von 7,6 Prozent. Beide enden auf 2618 Metern. Kategorie HC, also jenseits der ersten Bergkategorie, und das spürt man.

Die Nordrampe von Bórmio

Der Einstieg ab Bórmio täuscht. Die ersten fünf Kilometer rollen über den Talboden, nur eine kurze Rampe nach dem ersten Kilometer schiebt sich auf acht Prozent, dann wird es wieder flach. Wer hier zu früh Druck macht, zahlt oben. Ab etwa Kilometer sechs beginnt der Pass zu klettern, erst um die sechs Prozent, mit einem kurzen Zwischenflach um Kilometer elf bis dreizehn.

Das eigentliche Herz des Anstiegs liegt zwischen Kilometer dreizehn und achtzehn. Hier hält die Straße konstant sieben bis acht Prozent, ohne echte Erholung. Die härteste Passage kommt kurz darauf: Auf Höhe Kilometer neunzehn richtet sich die Rampe auf über elf Prozent auf, die steilste Stelle des ganzen Anstiegs. Danach öffnet sich die Hochebene rund um den Lago Bianco, die Steigung lässt nach, und ein letzter flacher Kilometer vor dem Gipfel gibt die Beine kurz frei. Das Rifugio Berni auf 2541 Metern, gut zwei Kilometer unterhalb der Passhöhe, ist der natürliche letzte Halt vor oben.

Geschichte und Rennsport

Der Gavia ist ein alter Übergang. Schon die Venezianer legten im späten Mittelalter einen Saumweg über den Pass, um das habsburgische Tirol und die Lombardei zu umgehen. Man nannte ihn die Strada Imperiale. Eine richtige Straße kam erst im Ersten Weltkrieg dazu. Die Südrampe ist erst seit Ende der 1990er durchgängig asphaltiert, und das merkt man ihr stellenweise bis heute an.

Berühmt machte den Gavia aber der Giro d’Italia. Am 5. Juni 1988 schickte das Rennen das Feld bei einem Schneesturm über den Pass. Die Etappe ging als „der Tag, an dem die starken Männer weinten“ in die Giro-Geschichte ein. Johan van der Velde fuhr in kurzer Hose als Erster über die Kuppe, brach im Eis ein und verlor an diesem Tag 47 Minuten. Erik Breukink gewann die Etappe, doch die größere Geschichte schrieb der Amerikaner Andy Hampsten: Er holte sich am Gavia das Maglia Rosa und wurde am Ende der erste US-Amerikaner, der den Giro gewann. Wenn der Giro heute über den Gavia führt, ist er meist die Cima Coppi, der höchste Punkt des Rennens mit der dicksten Bergwertung.

Praktische Tipps

Die Saison ist kurz. Der Pass ist im Winter gesperrt und meist von Ende Mai bis in den Oktober offen, je nach Schneelage. Wer auf Nummer sicher gehen will, plant Hochsommer ein. Mehrmals im Jahr gibt es autofreie Tage am Gavia, und das ist die Empfehlung schlechthin, vor allem für die enge Südrampe.

Der Straßenzustand unterscheidet die beiden Seiten deutlich. Die Nordrampe ab Bórmio ist gut ausgebaut und zweispurig. Die Südrampe ab Ponte di Legno ist teils nur knapp zwei bis drei Meter breit, mit engen Kehren und einem rund 800 Meter langen Tunnel als Umfahrung einer alten Engstelle. An vollen Tagen wird das Begegnen von Fahrzeugen dort zum Geduldsspiel. Verpflegung gibt es in Bórmio und Ponte di Legno reichlich, am Berg selbst am Rifugio Berni und an der Passhöhe. Parken am besten unten im Tal, der Pass ist eine Rundtour wert.

Die Nordrampe startet in Bormio. Übernachtet haben wir dort im Radhotel La Genzianella, das auch für Stelvio und Mortirolo gut liegt.

Wie schlägt sich der Gavia?

Der Gavia steht im Schatten seines berühmten Nachbarn, des Stilfser Jochs, und das völlig zu Unrecht. Landschaftlich, mit seiner Gletschernähe und dem Lago Bianco, spielt er in derselben Liga, ist aber ruhiger und roher. Wer den Schmerz sucht, vergleicht eher mit dem Passo del Mortirolo ein Tal weiter: Der ist kürzer, aber gnadenlos steil. Der Gavia liegt dazwischen, lang genug für echte Höhenmeter, hoch genug für dünne Luft, und auf der Südrampe steil genug, um wehzutun.

Stelvio kennt ja jeder.

Dass aber noch ein anderes großes Highlight im Nationalpark Stilfserjoch auf den berg-affinen Rennradfahrer wartet, ist vielleicht nicht jedem bekannt. Dabei steht der Gavia landschaftlich dem Stelvio in nichts nach. Eher im Gegenteil, so übertrifft der Passo di Gavia mit seiner unmittelbaren Gletschernähe landschaftlich eher noch das Stilfserjoch. Mit seinen 2618 Metern über dem Meeresspiegel gibt es dann auch nur wenig andere Pässe in Europa, auf denen man sich derart in die Höhe schrauben kann.

Wir sind die Nordrampe von Bormio aus an einem autofreien Tag gefahren. Hier muss man auf 26 km 1401 Höhenmeter überwinden, mit einer doch recht angenehmen Steigung von 5,4 % im Schnitt. Die Südrampe von Ponte di Legno kommt zwar mit ein klein bisschen weniger absoluten Höhenmetern daher (1360), aber mit einer sehr viel steileren Steigung von im Schnitt 7,6 %. Die Asphaltqualität auf dieser Seite kann mit keinem anderen Wort als “beschissen” beschrieben werden. Ich war sehr glücklich einen der zwei autofreien Tage am Passo di Gavia erwischt zu haben, da die Straße teilweise wirklich sehr schmal ist. Gegen Tal ende im Süden war ich mir ab und zu unsicher, ob wir noch auf dem Pass oder auf einem asphaltierten Wanderweg gelandet waren.

Generell gibt es aber für den Passo di Gavia einfach nur ein Wort: WOW! Beeindruckende Landschaft, Gletscher, Bergsee, mehr geht nicht. Eine absolute Fahr-Empfehlung!

Der Gavia gehört für uns zu den Climbs, die man einmal gefahren haben muss. Wer sich den Pass an die Wand holen will, findet ihn auf unseren 100-Climbs-Postern, die Top-50-Edition gibt es zusätzlich im kompakteren Format.

Welche Seite des Passo di Gavia ist schwerer?

Die Südrampe ab Ponte di Legno. Sie ist mit gut 17 Kilometern kürzer als die Nordrampe, aber mit einem Schnitt von 7,6 Prozent deutlich steiler, dazu schmal und mit rauem Asphalt. Die Nordrampe ab Bórmio ist länger und gleichmäßiger.

Wie hoch ist der Passo di Gavia?

Die Passhöhe liegt auf 2618 Metern. Damit zählt der Gavia zu den höchsten asphaltierten Alpenpässen und ist beim Giro d’Italia regelmäßig die Cima Coppi, der höchste Punkt des Rennens.

Wann ist der Gavia für Rennradfahrer offen?

In der Regel von Ende Mai bis in den Oktober, abhängig von der Schneelage. Im Winter ist der Pass gesperrt. Wer es ruhig mag, plant einen der autofreien Tage ein, besonders für die enge Südrampe.