623 hm
Anstieg
7.1 km
Distanz Anstieg
27 %
max. Steigung
8.8 %
ø Steigung
Auf dem Asphalt des Muro di Sormano stehen die Höhenmeter, Zwischenzeiten und Zitate der Fahrer, die hier 1960 fast vom Rad fielen. Eine Mauer mit eingebauter Geschichtsschreibung: 1,7 Kilometer mit durchschnittlich 17 Prozent, in den Spitzen 27.
Der Muro di Sormano im Überblick
Die komplette Auffahrt von Asso zur Colma di Sormano misst 7,1 Kilometer mit 623 Höhenmetern, im Schnitt 8,9 Prozent. Der Schnitt verschweigt die Pointe: Der eigentliche Muro, der kurze Nebenzweig oberhalb des Dorfs Sormano, presst 239 Höhenmeter in 1,7 Kilometer. Durchschnittlich 17 Prozent, maximal 27. Die schmale Straße führt durchgehend ansteigend durch Wald, Flachstücke gibt es keine.
Routenbeschreibung
Von Asso bis Sormano ist die Welt noch in Ordnung: fünf bis sieben Prozent, ein normaler lombardischer Anstieg. Im Dorf zweigt der Muro ab, und ab da gilt eine andere Physik. Die Straße ist kaum breiter als ein Auto, die Prozente stehen als weiße Zahlen auf dem Asphalt, und sie werden zweistelliger, je weiter du kommst.
Das Mittelstück hält konstant um 20 Prozent, die steilste Stelle liegt bei 27. Wiegetritt ist Pflicht, Anhalten keine Option: Wer am Muro einmal steht, kommt kaum wieder in die Pedale. Oben mündet die Mauer kurz unter der Colma di Sormano auf 1124 Metern, mit Blick auf die Bergamasker Alpen.
Geschichte und Rennsport
1960 suchte Renndirektor Vincenzo Torriani eine neue Schwierigkeit für die Lombardei-Rundfahrt, weil der Ghisallo nicht mehr selektiv genug war. Sormanos Bürgermeister Angelo Testori empfahl ihm die Mauer über seinem Dorf. Drei Jahre lang, 1960 bis 1962, quälte sich das Peloton hier hoch. Dann flog der Muro aus dem Programm: Fahrer stürzten, andere ließen sich von Fans schieben, der Anstieg galt als unfahrbar. Ercole Baldini, der den Muro damals dominierte, sagte später, er schäme sich für den Rekord.
Danach verfiel die Straße über vier Jahrzehnte, bis lokale Radsportler ihre Restaurierung durchsetzten. Seit 2006 ist der Muro wieder asphaltiert, mit den Zwischenzeiten, Höhenangaben und Zitaten der Fahrer aus der ersten Ära im Belag. Am 29. September 2012 kehrte die Mauer in die Lombardei-Rundfahrt zurück und gehört seither wieder zum Repertoire des Klassikers.
Praktische Tipps
Übersetzung ist alles: mindestens Kompaktkurbel mit 32er-Ritzel, eher mehr. Der Muro ist von Frühjahr bis Herbst fahrbar, im Wald bleibt es auch im Sommer erträglich. Anfahrt klassisch von Asso oder als Schleife vom Comer See über Nesso zurück. Die Abfahrt über die schmale Muro-Seite besser meiden, die Hauptstraße zur Colma ist die sichere Wahl. Espresso oben an der Colma im Rifugio.
Wie schlägt sich der Muro?
In absoluten Prozenten spielt der Muro in der Liga von Zoncolan und Co., nur eben komprimiert auf 1,7 Kilometer. Die nahe Madonna del Ghisallo ist das perfekte Gegenstück: dort die Kapelle und die Radsport-Wallfahrt, hier die nackte Steigung. Beide an einem Tag sind das volle Lombardei-Erlebnis.
Der Muro di Sormano ist auf unseren 100-Climbs-Postern im Format DIN A1 abgebildet.
Eigene Erfahrung
Im Grunde hab ich mir den Anstieg härter vorgestellt. Noch vor 2 Jahren wäre eine Bergfahrt schon alleine an der Tatsache gescheitert 250 Watt über einen längeren Zeitraum treten zu müssen. Mit einer Kompaktkurbel ausgerüstet und in geruhsamen Tempo war der Anstieg fast schon entspannt zu meistern.

Wie steil ist der Muro di Sormano?
Der Muro selbst: 1,7 Kilometer mit 239 Höhenmetern, durchschnittlich 17 Prozent, maximal 27. Die Gesamtauffahrt von Asso zur Colma di Sormano kommt auf 7,1 Kilometer mit 8,9 Prozent im Schnitt.
Warum stehen Zitate auf der Straße?
Bei der Restaurierung der verfallenen Straße wurden Höhenmeter, Zwischenzeiten und Aussprüche der Fahrer aus den Lombardei-Austragungen von 1960 bis 1962 in den Asphalt geschrieben. Die Mauer erzählt ihre eigene Renngeschichte beim Hochfahren.
Ist der Muro di Sormano Teil der Lombardei-Rundfahrt?
Ja, mit Unterbrechung. 1960 bis 1962 war er im Programm, flog dann wegen Stürzen und Schiebehilfe raus und kehrte am 29. September 2012 zurück. Seither gehört er regelmäßig zum Parcours des Herbstklassikers.
