1401 hm
Anstieg
18.3 km
Distanz Anstieg
10.2 %
max. Steigung
7.7 %
ø Steigung
Der Tourmalet ist der Pass, der am häufigsten in der Geschichte der Tour de France befahren wurde. Seit 1910, rund 90 Mal. Kein anderer Anstieg hat so viele Geschichten geschrieben, und keiner trägt so viel Tour-DNA im Asphalt wie dieser Riese der Pyrenäen.
Der Tourmalet im Überblick
Von Luz-Saint-Sauveur im Westen sind es 18,3 Kilometer und 1401 Höhenmeter auf die Passhöhe auf 2115 Metern, im Schnitt 7,6 Prozent, maximal 10,2 Prozent. Die Ostseite von Sainte-Marie-de-Campan misst 17,2 Kilometer mit rund 1270 Höhenmetern, ebenfalls um 7,4 Prozent. Hors Catégorie seit es den Begriff gibt, im Wortsinn: Der Tourmalet war 1980 einer der ersten Anstiege dieser Klasse.
Die zwei Auffahrten
Die Westseite ab Luz ist die unberechenbarere. Nach moderatem Auftakt stehen ab Kilometer vier drei Blöcke mit acht bis zehn Prozent an, unterbrochen von kurzen Verschnaufstücken. Barèges auf halber Höhe ist der letzte Ort mit Cafés und Brunnen. Das Finale ist das steilste Stück: Die letzten zwei Kilometer halten konstant neun bis zehn Prozent, ehe die Passhöhe in Sicht kommt.
Die Ostseite von Sainte-Marie-de-Campan ist die klassische, gleichmässiger ansteigend und gut zu dosieren. Die steilsten Passagen liegen zwischen Kilometer zehn und vierzehn mit acht bis zehn Prozent. La Mongie, die Skistation auf halber Höhe, ist der letzte Versorgungspunkt. Oben steht der Géant du Tourmalet, und der Blick geht über die gesamte Pyrenäenkette, an guten Tagen bis zum Pic du Midi.
Geschichte und Rennsport
1910 nahm die Tour de France erstmals die Pyrenäen ins Programm, und Octave Lapize war der Erste über den Tourmalet. Sein berühmter Wutausbruch „Ihr seid Mörder!“ fiel übrigens nicht hier, sondern später auf derselben Etappe am Col d’Aubisque, gerichtet an die Offiziellen der Tour. Lapize gewann die Tour 1910 trotzdem, oder gerade deswegen.
1913 brach Eugène Christophe in der Abfahrt die Gabel, trug sein Rad kilometerweit nach Sainte-Marie-de-Campan und schmiedete sie in der Dorfschmiede eigenhändig neu. Er kassierte trotzdem eine Strafe, weil ein Junge den Blasebalg bedient hatte. Moderne Kapitel: 2010 gewann Andy Schleck die Bergankunft im Nebel vor Alberto Contador, ohne ihm die acht Sekunden Gesamtvorsprung nehmen zu können. 2019 siegte Thibaut Pinot auf der Passhöhe, und 2023 holte sich Demi Vollering am Tourmalet die Königsetappe der Tour de France Femmes samt Gelbem Trikot.
Die Statue des Géant du Tourmalet, der Fahrer im Wiegetritt aus Eisen, überwintert übrigens im Tal. Jeden ersten Samstag im Juni wird sie bei der Montée du Géant von hunderten Radfahrern zurück auf die Passhöhe begleitet. Der Erste der Tour über den Tourmalet erhält das Souvenir Jacques Goddet, benannt nach dem langjährigen Tour-Direktor, dessen Denkmal oben steht.
Praktische Tipps
Beste Zeit ist Juni bis September, der Tourmalet öffnet oft als einer der letzten Pyrenäenpässe. Die Westseite ist windexponiert, nachmittags drohen Gewitter, morgens starten. Von Osten ist die Auffahrt sonniger und geschützter. Wasser in Barèges oder La Mongie. Beide Seiten haben guten Belag, aber schmale Strassen mit Motorradverkehr, Wochenenden besser meiden.
Wie schlägt sich der Tourmalet?
Der Tourmalet ist nicht der steilste und nicht der längste Pass, aber keiner hat mehr Radsportgeschichte erlebt. Sein Alpen-Gegenstück ist der Galibier: ähnliche Dimension, gleiche Mythos-Klasse. Wer beide Seiten an einem Tag fahren will, startet in Luz, quert den Pass und hängt hinter Sainte-Marie-de-Campan den Col d’Aspin an. 32 Kilometer Zugabe, die sich lohnen.
Der Tourmalet gehört selbstverständlich zu den Top 50 unserer 100 Climbs, auf den 100-Climbs-Postern und auf der kompakten 50er-Edition.
Wie oft war der Tourmalet in der Tour de France?
Rund 90 Mal seit 1910, öfter als jeder andere Pass. Bis 2020 zählte die Statistik 87 Überquerungen, seitdem kamen weitere Austragungen dazu, inklusive der Tour de France Femmes 2023 mit der Bergankunft von Demi Vollering.
Welche Seite des Tourmalet ist schwerer?
Beide Seiten haben um 7,4 bis 7,6 Prozent im Schnitt. Die Westseite ab Luz-Saint-Sauveur gilt als unberechenbarer, mit drei steilen Blöcken und dem härtesten Finale. Die Ostseite über La Mongie steigt gleichmässiger und lässt sich besser dosieren.
Wann ist der Col du Tourmalet offen?
In der Regel von Juni bis Oktober. Der Tourmalet liegt mitten im Skigebiet von La Mongie und Barèges und öffnet nach der Wintersperre oft als einer der letzten Pässe der Pyrenäen.
